Spiel&Autor

Spielautorentreffen 2010

29. Autorentreffen in Göttingen
Inno-Spatz an boardgamegeek

Ein Jahr vor seinem 30jährigen Jubiläum platzte das weltweit größte Spieleautoren-Treffen, zu dem Reinhold Wittig  und das Kulturamt der Stadt Göttingen seit 1983 in die Göttinger Stadthalle einladen, aus allen Nähten.  Mit 164 Autorentischen wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Für das Jubiläumsjahr ist eine Platzerweiterung im unteren Foyer geplant, so dass sogar 200 Spieleautoren ihre Prototypen zeigen könnten.

21011

Alle entscheidenden Auszeichnungen für Spielautoren werden in Göttingen vergeben. Wie schon im   letzten Jahren stellten mehr als 40 Nachwuchskräfte zum ersten Mal ihre Spielideen in Göttingen vor. Für die Gruppe von Autoren, die noch kein Spiel veröffentlichen konnten, hat die Jury "Spiel des Jahres"  den „Förderpreis für Nachwuchsautoren" ausgeschrieben, der mit 3000 Euro dotiert ist. Verbunden ist diese Auszeichnung mit der Durchführung einwöchiger Praktika bei großen Spieleverlagen, in diesem Jahr Ravensburger und Haba, außerdem darf der Preisträger in Köln eine Woche im SpieleErfinderStudio von Jens-Peter Schliemann hospitieren und die Reaktionen der Abnehmer auf  die Endprodukte in der Spieleburg in Göttingen erfahren. Optional ist zusätzlich noch die Teilnahme an der 6. Deutschen Spieleautorentagung im hessischen Weilburg vorgesehen. Dass Bad Rodach als Standort von Haba erstmalig als Praktikumsstation auftaucht, ist der Siegerin 2009 geschuldet, die ihren Schwerpunkt in der Kinderspielentwicklung sieht. Karin Hetling, die 15. Preisträgerin, ist erst die zweite Gewinnerin der Auszeichnung  nach Marén Kruse (2004). Sie arbeitet in Osnabrück als Förderschullehrerin an einer Schule für körperliche und motorische Entwicklung. Seit 20 Jahren erfindet sie Spiele, ist allerdings erst 2009 mit dem eher komplexen Spiel „Tulpenfieber“ in Göttingen aufgetreten und dabei auf den Förderpreis aufmerksam geworden.  Wie vier weitere Autoren wurde sie für die Endrunde aus einem Kreis von insgesamt 13 Bewerbern nominiert und hatte dort die Nase vorn. Sie hat Freude daran aus der Fläche, dem einfachen Spielplan, ins dreidimensionale Spielen zu gehen, wofür sich nach ihrer Überzeugung  Kinderspiele besonders gut eignen. Ihre in Göttingen präsentierten Prototypen belegen eindrucksvoll diesen Ansatz, so dass bei Ideen wie „Gemüsegauner“ plötzlich ein Oben und Unten eine entscheidende Rolle spielt. Die Juroren, Udo Bartsch, Jens-Peter Schliemann und Ulrich Blum, der Preisträger vom letzten Jahr, lobten ihre Materialwahl und die Kreativität ihrer Spielansätze.

20102

Mit dem mit 1000 Euro dotierten Göttinger Inno-Spatz wurde 2010 erstmalig eine Internetseite ausgezeichnet. Indirekt gab es eine solche Würdigung zwar schon 2002, als Knut-Michael Wolf, besser bekannt unter seinem Kürzel KMW, den Preis für sein Lebenswerk erhielt. Diese Auszeichnung erhielt er als Autor, Gründer einer Szenezeitschrift, aber besonders auch für seine Pioniertätigkeit im World Wide Web, 1995 startete er als einer der ersten mit KMWs Spielplatz ins Internet. Aus seiner Seite entstand fünf Jahre später spielbox.de. Der Inno-Spatz 2010 ging in die USA an die weltweit bedeutendste Spieldatenbank BoardGameGeek. Derk Solko einer der beiden Gründer von BGG nahm den Preis nach einer Laudation durch Andrea Meyer dankbar in Empfang. Vor zehn Jahren hat er zusammen mit Scott Alden die Website ins Leben gerufen. 2009 verzeichnete BGG über 31 Millionen Besuche mit fast 300 Millionen Seitenzugriffen Inzwischen können Solko und Alden sogar von den Werbeeinnahmen ihrer Seite leben. Die Service-Leistung, die sich aus dem weltweiten User-Input ergibt,  ist enorm. In der Datenbank sind weit über 40.000 Spiele und die dazu gehörigen Autoren und Verlage eingetragen. Die Bewertungsmöglichkeiten, die Spielanalysen ermöglichen gerade Autoren vielfältige Rückmeldungen über ihre Ideen.  Für eine deutsche BGG-Ausgabe sucht Solko noch Sponsoren. Der Markt hier sei bedeutend, im Grunde genommen sogar ein Mitauslöser für die Entwicklung seiner Seite, aber im Augenblick fehle das Geld.

20104

Gewürdigt wurden in Göttingen auch die Preisträger des 22. Autorenwettbewerbs des Hippodice Spieleclubs. Hans Reinhard Gottwald, der das mechanische Pferderennen, das auf Jahrmärkten zu finden war, in ein Brettspiel umgesetzt hat, nahm für „Camel Drive“ die Urkunde und Preise für den ersten Platz in Empfang. Der Hauptpreis folgt noch, wie viele seiner Vorgänger wird der Sieger 2010 spätestens 2011 bei einem Verlag erscheinen. Andreas Steding, schon im letzten Jahr mit „Wettstreit der Händler“ dabei, das es als „Hansa Teutonica“ immerhin bis auf die Empfehlungsliste der Jury „Spiel des Jahres“ geschafft hat, hofft auf einen ähnlichen Erfolg für „Die Staufer“, mit dem er in diesem Jahr Zweiter wurde. Stefan Kiehl durfte sich für „Moeraki – Kemu“ über den neuen Sonderpreis bestes „2-Personenspiel“ freuen.  Das galt auch für Stefan Malz, der für das Entwicklungsspiel „Altiplano“ den Sonderpreis bestes „abendfüllendes Spiel“ in Empfang nahm. Er wurde gleich doppelt gewürdigt, da er zusätzlich auch zu den Nominierten für „Förderpreis für Nachwuchsautoren" gehörte.

Wieland Herold

 

20105