Spiel&Autor

Spielautorentreffen 2009

 

Ulrich Blum aus Zürich erhält das Autorenstipendium 2009

 

Großer Andrang: Autorentreffen in Göttingen

 

Der Andrang war groß beim 28. Spieleautoren-Treffen in Göttingen. Bei Öffnung der Stadthalle war die Warteschlange am 6. Juni gut 100 Meter lang, die Tische reichten nicht aus, mehr als 160 Autoren wollten ihre Neuheiten präsentieren.

 

Passend zum gerade beendeten Evangelischen Kirchentag in Bremen präsentierte Andreas Verweyen eine Untersuchung zum Thema Religion im Spiel, die er für seine eigene Spielidee RELiGiO durchgeführt hat. Vertreter unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Politiker äußerten sich vielschichtig zu dem Thema. Zum Jubiläum der Varusschlacht ging Gerhard Junker auf Spurensuche am Grenzwall der Römer. Er stellte den Besuchern ein beachtliches strategisches Ausgrabungsspiel vor, das interessant in ein Buchprojekt eingebunden ist.

 

Noch weiter weg entführte in einem taktisch orientierten dreidimensionalen Lege- und Laufspiel der Düsseldorfer Autor Georgios Nomikos. In seinen „Babylonischen Träume(n)“ übernehmen die Spieler die Rolle eines der damaligen Bauherren Babylons und versuchen, mit einem besonders hohen Turm König Nimruds Gunst zu gewinnen. Noch höher hinaus wollte Lars-Manuel Wein, der zwei bis drei Bergsteiger in einem originellen Strategiespiel auf den Mount Everest führte.

 

 

 

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Den kritischen Blicken der Verlagsredakteure und der spielinteressierten Göttinger Bevölkerung stellte sich auch Fabian Klotz aus Stuttgart gern. Sie wurden bei ihm mit Komplimenten überschüttet. „Fishing for Compliments“ heißt sein außergewöhnliches Kommunikationsspiel um die kleinen Aufmerksamkeiten mit großen Wirkungen.

 

Neben den vielen Neuheiten, die es zu sehen gab, standen Autorenpreise im Vordergrund des  Treffens in Göttingen. Alle entscheidenden Auszeichnungen für Spielautoren werden  während des Autorentreffens in Göttingen vergeben. Wie in den letzten Jahren stellten mehr als 50 Nachwuchskräfte  zum ersten Mal ihre Spielideen in Göttingen vor. Für sie hat die Jury "Spiel des Jahres"  den "Förderpreis für junge Autoren" ausgeschrieben, der mit 3000 Euro dotiert ist. In den letzten Jahren waren Schweizer Autoren besonders erfolgreich, zum Beispiel Sebastien Pauchon, der inzwischen tolle Spiele wie  „Yspahan“ und „Jamaica“ vorweisen kann. Auch der Schauspieler und Spieleautor Ulrich Blum, der Preisträger 2009, kommt aus der Schweiz, diesmal geht der Preis nach Zürich. Er überzeugte durch ein raffiniertes Rollenkartenspiel „Die Schätze des Blackbeard“, das ohne große Veränderung das Programm von Adlung zieren könnte. Die Jury attestierte Blum die ausgereiftesten Spielideen. Sie war angetan von seinem Ansatz Schauspiel und Spiel in Übereinstimmung zu bringen. Als Autor wird der Schauspieler Blum zum Regisseur, der Kunstwerke in Szene setzt. Seine Entwicklung können die Praktikumswochen bei Ravensburger, Hans im Glück im SpieleErfinderStudio Jens Peter Schliemanns in Köln, während der Weilburger Autorentage und in der Spieleburg in Göttingen wesentlich mit beeinflussen, so dass er ähnlich wie Pauchon wahrscheinlich bald Veröffentlichungen seiner Ideen vorweisen kann.

 

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Gewürdigt wurde 2009 auch eine Art Kleinableger des Autorentreffens,  die als neue Praktikumsstation erwähnten „Spieleautorentage in Weilburg“. Die Veranstalter dokumentieren ausführlich alle Vorträge und Ergebnisse der Diskussionsrunden rund um das Spielerfinden, sie schaffen damit ein Vademecum für Spieleautoren. Die Weilburger rund um Marcel-André Casasola Merkle, Christwart Conrad, Friedemann Friese, Andrea Meyer und Henning Poehl haben den Göttinger Inno-Spatz 2009 erhalten. Von der diesjährigen Tagung im März in Weilburg haben sie ein interessantes Spontanprodukt mitgebracht. Ein Spiel ohne Regeln, mit Material, das die Spieler zum regelgelenkten Spiel führen soll.

 

Spiele-Autoren-Zunft (SAZ) wählt neuen Vorstand

 

Auf der Jahreshauptversammlung, die traditionell am Freitag vor dem Autorentreffen in Göttingen durchgeführt wird, hat die SpieleAutorenZunft einen neuen Vorstand gewählt. Neuer Vorsitzender ist der seit Jahren erfolgreiche Kleinverleger und Autor Friedemann Friese. Sein Stellvertreter ist der Jurist Stefan Risthaus, der sich immer wieder kompetent zu Fragen des Urheberrechts äußert. Schatzmeister ist Christian Beiersdorf, Autor, lange Zeit Redakteur und seit einigen Jahren verantwortlich für die Service und Lizenzagentur Projekt Spiel, die u.a. für Ravensburger eine Vorauswahl trifft.

 

Der alte Vorstand um Lutz Stepponat darf auf seine Fahnen schreiben, dass die Spieleautoren seit 2008 Mitglied im Deutschen Kulturrat sind. Das will der neue Vorstand nutzen, um das Kulturgut Spiel in der öffentlichen Wahrnehmung zu stärken und Initiativen zur Verbesserung des Urheberschutzes für Spiele zu starten.

 

Friedemann Friese, zu seinen Zielen befragt, stellt in den Vordergrund, dass er der SAZ ein Gesicht geben möchte. Die vielschichtige Arbeit der Zunft möchte er deutlich machen. Auch Verlage sollen wissen, was die SAZ tut und die Autoren sollen mit Vertragshilfen und rechtlichem Rat die nötige Unterstützung erfahren. Christian Beiersdorf wird die Homepage neu gestalten, die ab August zugänglich sein soll.

 

Wieland Herold