Spiel&Autor

27. Spieleautorentreffen in Göttingen


Innovative Räuberbanden, Asteroidenjäger und Kugelspiele

Am 7. und 8. Juni 2008 trafen sich rund 200 Spieleautoren zum 27. Mal in Göttingen. Das von Reinhold Wittig ins Leben gerufene traditionsreiche Treffen bietet immer wieder einen interessanten Blick hinter die Kulissen. Spieleunikate werden vorgestellt, um dann irgendwann in ein oder zwei Jahren in die Kaufhausregale zu kommen. Den kritischen Blicken der Verlagsredakteure und der spielinteressierten Göttinger Bevölkerung stellte sich beispielsweise Timo Diegel aus Springe bei Hannover gern. Sein taktisches Familienspiel „Asteroidenjäger“ ist kommunikativ angelegt und kann acht Spielern Vergnügen bringen. Im magischen Bereich angesiedelt ist „Mystica“, ein pfiffiges Laufspiel für die ganze Familie mit kleinen Wegelagereien.

Timo Diegel

Spätestens seit „Abalone“ sind Kugelspiele sehr begehrt. Raffinierte Varianten bot Volker Heidemann mit „Bengum“, einem strategisches Konzentrationsspiel für zwei Spieler. an. Um Kugeln, die in ein pfiffiges Glaslabyrinth verschwinden, ging es in  „Shift“  wer gewinnt? von Fabian Grebe. In diese Richtung weisen auch die Carrom-Varianten Wladimir Riegers, der auf großen Spielbrettern zum „Schnipp-Billard“ und „Schnipp-Sumo“ einlud.

Grebe Shift


Für die Kleinen zeigte der Stefan Kropp Beachtliches. Sein Spiel „Bienchens Blumenwiese“ war ansprechend aufgemacht und versprach viel Spielvergnügen. Auch im Bereich der Kinderspiele anzusiedeln war eine interessante Konstruktion von sechs Perlenverstecken, die die Hauptrolle in dem Würfelspiel „Räuberbande“ spielen, das Uwe Martin aus Bremen vorstellte. Werden die Spieler hier zu Dieben, konnten sie bei Katja Wörtz sich auf spannende „Verbrecherjagd“ begeben. Sie hat zu dem Thema ein spannendes Frage und Antwortspiel erfunden, das mit innovativem Material ausgestattet ist.

Stefan Kropp


Das „Jahr der Mathematik“ ging wie die Europameisterschaft im Fußball nicht spurlos an dem Treffen der Spielerfinder vorbei. Der  „club astract“ und viele andere Kleinverlage, darunter auch ein litauischer Verlag, stellten unter der Leitung von Prof. Ingo Althöfer und Reinhold Wittig im unteren Foyer der Stadthalle Spiele zum Themenkreis Mathematik aus. Gespielt werden konnte dort u.a. der „Don Q“ von Dirk Hanneforth und „Pari“ von Hilko Drude, neue Spielideen, die in der Göttinger Edition Perlhuhn erschienen sind.

Wittig mit Don Q


Neben den vielen Neuheiten, die es zu sehen gab, standen Auszeichnungen im Vordergrund des Treffens.  Alle entscheidenden Preise für Spielautoren werden seit einigen Jahren während  des Autorentreffens vergeben. Wie in den letzten Jahren zeigten mehr als 30 Nachwuchskräfte  zum ersten Mal ihre Ideen in Göttingen. Für sie hat die Jury "Spiel des Jahres"  den mit 3000 Euro dotierten "Förderpreis für junge Autoren" ausgeschrieben.  Der diesjährige Preisträger ist der oben schon erwähnte Uwe Martin aus Bremen. Ein kreativer Künstler, der mit ungewöhnlichem Material spielerisch umzugehen weiß. Die Juroren Udo Bartsch, Jens-Peter Schliemann und der Preisträger des letzten Jahres, der Schweizer Bernhard Kläui, waren angetan von den Ideen des diplomierten Künstlers.  Sein Spiel „Räuberbande“ sei „traumhaft gut“. Originalität, Kreativität und ein deutliches Interesse an der Spielautorenszene zeichnen diesen Preisträger aus.

Stipendiat und Moderatorklein


Der „INNO-SPATZ“  für besonders innovative Leistungen im Spielbereich wurde zum 12. Mal vergeben. Bei diesem Preis handelt es sich um die wichtigste Auszeichnung für Spieleautoren, materiell ist damit ein Preisgeld in Höhe  von 500 Euro verbunden.  Gewürdigt wurde 2008 der Hippodice Spieleclub, der seit 20 Jahren den weltweit erfolgreichsten Autorenwettbewerb veranstaltet, aus dem schon über 60 Spieleveröffentlichungen hervor gegangen sind. In diesem Jahr haben die Mitglieder des Bochumer Spieleclubs nicht nur ihren eigenen Preis in Göttingen an Harald Lieske vergeben, sondern durften selbst den trillernden Stoff-Spatz in Empfang nehmen.

Podium


Für alle Autoren, die in die Welt der Ideen hineinschnuppern möchten, ist das Autorentreffen ein absolutes Muss, sie sollten sich den Termin 2009 schon notieren: Am 6. und 7. Juni blickt die Spielewelt wieder nach Göttingen.

Wieland Herold